Das Myo von Thalmic Labs im Vergleich zum Kinemic Band

Warnung vorab: Dieses Produkt ist zwar teilweise noch erhältlich, wird aber nicht mehr offiziell hergestellt. Es ist hier nur aufgeführt, da es vergleichsweise bekannt war und relativ viele Leute damit Erfahrungen im Bezug auf Gestensteuerung gesammelt haben.

Einleitung

Das Myo Armband der US-amerikanischen Firma Thalmic Labs kam 2015 als Ergebnis eines Crowdfunding-Vorhabens auf den Markt. Das damals als revolutionär angepriesene Gerät sollte erstmal eine natürliche und alltägliche Gestensteuerung ermöglichen. Kernelement sind die elektromyographischen Sensoren, die durch eine normale Bewegungssensorik ergänzt werden. Vom Gerät wurden mindestens 50.000 Stück verkauft, genaue Stückzahlen liegen uns auch nicht vor. Die Firma fokussierte sich nach erfolgreichen Investmentrunden auf die Entwicklung einer Smartglass, die 2018 unter dem Namen Focals by North auf den Markt kam.

Funktionsumfang

Das Armband ist in der Lage verschiedene Gesten zu erkennen:

  • Abklappen der Hand nach links
  • Abklappen der Hand nach rechts
  • Faust
  • Gespreizte Hand

Auch die Orientierung des Armbands im Raum konnte, wie bei unserer AirMouse, genutzt werden.

 

Funktionsprinzip

Die EMG-Trockenelektroden (die silbernen Kontaktflächen oben im Bild) messen die elektrische Aktivität von Skelettmuskeln, eine zusätzliche Bewegungssensorik misst Beschleunigung und Drehrate.
Die Elektroden müssen das Muskelsignal für Handbewegungen an der Stelle messen, wo es auftritt: am Unterarm, knapp unterhalb des Ellenbogens. Hier sitzen die Muskeln welche die Streck- und Beugesehnen betätigen.
Um das elektrische Signal bei unterschiedlichen Hauttypen, unterschiedlichen Fettanteilen in der Haut und mehr oder weniger stark schwitzender Haut halbwegs sicher zu messen, müssen die Trockenelektroden recht eng anliegen bzw. angedrückt werden. Dies leisten die Federelemente des Armbands. Gerade bei größeren Unterarmen ist dies leider schon nach kurzer Zeit sehr unangenehm.

Preis & Verfügbarkeit

  • Preis: 199 US$ (ca. 180 €) + Versand + ggf. Zoll.

  • Verfügbarkeit: Nur noch Restbestände vorhanden.

  • Support: Nein, Firma existiert nicht mehr.

Hardware

  • Verbindung: Per mitgeliefertem Dongle; Micro-USB zum Aufladen.
  • Batterielaufzeit: Keine Angaben mehr auffindbar.

Software

  • Unterstützte Betriebssysteme: Windows, eventuell waren weitere Betriebssysteme auch möglich.
  • Integration: Die Software Myo Connect war nötig. Es wurden verschiedene „Konnektoren“ für Anwendungen zum Download bereitgestellt. Auf einem Marktplatz konnten weitere Konnektoren erworben werden.

 

Unser Fazit

Das Myo hat sicherlich einen großen Hype für das Thema Gestensteuerung ausgelöst. Das Versprechen, eine komfortable, intuitive und einfache Steuerung für alltägliche Anwendungen zu bieten, konnte aber leider nicht eingelöst werden. Aus unserer Sicht hat dies zwei hauptsächliche Gründe:

  1. Unbequemes Armband, welches man nur kurzfristig anziehen kann. Bei etwas muskulöseren Unterarmen hat das Wearable nach 20 Minuten Tragezeit deutliche Abdrücke hinterlassen und es war sehr unangenehm zu tragen. In gewissen Grenzen werden alle Ansätze basierend auf Trockenelektroden dieses Problem teilen.
  2. Softwareintegration mittels der Konnektoren. Dieses Vorgehen ist zwar gut, um verschiedene Anwendungen zu unterstützen und auch Endanwendern einen Zugang zu bieten, hat aber auch Nachteile. So waren die jeweiligen Gesten und zugehörige Aktionen nicht konfigurierbar. Auch andere Betriebssysteme wurden nicht optimal unterstützt. Wir sind der Meinung, dass Aktionen idealerweise  vom Nutzer festlegbar sein sollten – das ist der Weg den wir mit der Kinemic Remote und unserem SDK gehen.

Vereinzelt wurde in Reviews auch die Genauigkeit und Fehlerrate der Gestenerkennung bemängelt. Das konnten wir nicht mehr feststellen - eventuell hatten wir eine spätere Firmwareversion. Um Gesten zu erkennen musste man diese allerdings sehr deutlich ausführen, was teilweise unbequem war.

Insgesamt ist es schade, dass die Firma sich nicht der Weiterentwicklung der Technologie gewidmet hat sondern stattdessen ein Smartglass entwickelte. Denn das in der Technologie viel Potential schlummert, hat nicht zuletzt auch die Firma CTRL-Labs wieder gezeigt, die 2019 für mindestens 500 Millionen US$ an Facebook verkauft wurden - nachdem sie vorher noch die Patente zum Myo aufgekauft haben.

Für die, die bis hierhin gelesen haben und eine vergleichbare Technologie ausprobieren wollen: Es gibt verschiedene chinesische Klone, die wir aber bisher nicht getestet haben. In den Marketingvideos sieht es nicht so aus als ob die Kernschwächen des Geräts verbessert wurden.

Wenn Sie eine aktuelle Alternative bevorzugen, schauen Sie doch unser Kinemic Band an.

Weitere Vergleiche

Mudra Inspire

Wie gut funktioniert die Gestensteuerung mit dem Mudra Inspire?

Litho Controller

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